"....mit dem Gesicht....",
meinte mein Lehrer an der Schauspielschule bereits 1972,
"....mit dem Gesicht gehen Sie immer prima als Leiche durch! Aber -
sehen Sie bloß zu, dass man Sie nur von hinten sieht, bevor die Leute
fragen, was das Gewese um so einen alten Schuh denn soll...."
Ich verkniff mir die automatisch herausdrängende Antwort.
"besser ein alter Schuh, als das auf dem Hals, was andere in der Hose verstecken!"
Nun ja, ich wollte trotzdem spielen, - oder es zumindest versuchen.
Und nach drei Tatorten - sinnigerweise war ich wirklich die Leiche -
diversen Komparsen und Statistenjobs in Spielfilmen,
Schulfunksendungen (ja, so etwas gab es früher!!!)
und an verschiedenen Bühnen habe ich mich an mein erstes Soloprogramm gewagt.
Es hieß einfach "Lieder" und war eine Aneinanderreihung
von selbst geschriebenen und/oder vertonten Texten.
Ich war also "Liedermacher"!
(Böse Zungen behaupten auch "Niedermacher")
Damit tingelte ich einige Jahre durch kleine Clubs und
über diverse Bühnen und entwickelte es weiter,
zwischen den Texten nahmen kurze Geschichten und Szenen immer breiteren Raum ein.
Irgendwann blieb die Gitarre stehen.
1980 hatte ein komplett konzipertes Programm unter der Regie von
Hanns-Arno Metzner die Lieder abglöst.
"Plädoyer für einen Verleger"
hieß das Stück und setzte sich mit einem großen deutschen Boulevard-Blatt
und seinem Erfinder und Herausgeber auseinander.
50/50 - Teil 1 die Anklage (mit knapp 25 Minuten Schlagzeilen)
Teil 2 die Verteidigung (hier erfuhren die geneigten Besucher
unter anderem, dass A.-C. S. aus B. oftmals litt wie ein Hund -
wenn er sein eigenes Produkt las.
Es folgte: Tingeln. Drei Jahre, knapp 450 Termine.
Höhepunkt war wohl das Festival "Rock für die Richter" in Nürnberg mit
rund 10.000 Besuchern.
Eines Morgens (in Ingolstadt) stand ich auf und knallte mit der Birne vor
die Wand. Aber hart und brutal. Die Nächte (unterwegs in anderen Städten)
vorher hatte das Bett jeweils auf der anderen Zimmerseite gestanden.
Das war der Moment, in dem ich für mich feststellte:
"Ich habe nichts mehr zu sagen."
Die Tournee wurde zu Ende gespielt und dann war
Feierabend.
Es folgten chaotische Jahre. Jeder Versuch von mir,
wieder auf eine Bühne zu gehen endete gleich: Ich sah mich nicht mehr.
Im Abschwung der NdW produzierte ich zusammen mit Jürgen Triebel als
"Krasse Fehlentscheidung" noch eine floppende Single
"Rote Karte" -
dann war endgültig Schluss.
Ich arbeitete wieder als Redakteur und Vielschreiber, bis 1999.
Zeitweise unter bis zu acht verschiedenen Pseudonymen im gleichen Blatt.
2000 der große Black- und Burn-out.
Nichts ging mehr.
Wieder folgten: Chaotische Jahre.....
Kreuz, quer, bergab, bergauf.....
Jedoch:
So lange, wie ich einmal mehr aufstehe als ich stolpere und liegenbleibe,
so lange geht es weiter.
Und:
JETZT
BIN ICH WIEDER DA!
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