Regelmäßige Leser

Samstag, 16. Juli 2016

Europa

"Nein," sagte der alte Mann, "es ist schön, daß es keine Grenzen mehr gibt. Ich bin gerne Europäer. Aber ich bin trotzdem stolz auf dieses Land."
Daraufhin ging er zu dem Fahnenmast in seinem Garten und zog die deutsche Flagge empor.
Im zurückkommen zeigte er auf die stumm geschalteten Bilder einer pegida-afd-npd-demo im Fernseher und fuhr wütend fort:

"...und diesen Stolz lasse ich mir von solchen hirnlosen Verbrechern nicht nehmen. Unseren Stolz dürfen wir diesem Pack nicht überlassen, sonst haben sie gewonnen!"

Bitte berichtigen Sie:

Ganz am Rande und weil wir sowieso festgestellt sowie ausreichend belegt haben, dass die "gierigen Griechen" (Zitat B...-Zeitung) an allem Elend überhaupt und speziell in unseren Geldbörsen schuld sind...
...möchte ich doch fürderhin darum bitten, dass dies generell sprachlich festgehalten wird. So plädiere ich für die sofortige Umbenennung des "Trojaners" in "Griecher", denn es ist eine belegte Tatsache, dass seinerzeit die Griechen das gefüllte Pferd sandten und die armen Trojaner nur leiden mußten....
(Ähnlich also wie der arme Herr Schäuble heute)

Stoppt den Klimawahnsinn


Montag, 2. Mai 2016

Jetzt wissen wir auch das...

Toll!

Eines der letzten Rätsel ist gelöst!

Wie bastele ich mir ein neues, wirksames Parteiprogramm?

Ganz einfach: Ich suche mir aus Boulevardzeitungen und -Zeitschriften der letzen Jahre sämtliche Vorurteile und alle Ängste zusammen, werfe alles in einen großen Karton und schüttele kräftig.
Dann suche ich mir eine Rotte sabberndhirntoter Analphabeten, ziehe jedes einzelne dieser Voruteile aus der Kiste und lasse die Meute darüber abstimmen, dass "...wir dagegen sind..."

Fertig ist das Programm.

Wenn ich dazu ein paar Krawalle inszeniere, dann findet es ordentlich öffentliche Beachtung.

So mache ich mich auf, den Bundestag zu stürmen!
Jawoll! Basta!
Und jetzt:
Strammgestanden Volk!

Freitag, 15. April 2016

PR-Beratung

Au weiah.
Das hätte nun richtig schief gehen können:

Soeben habe ich mir überlegt, dass ich mich nunmehr in und übers Wochenende verabschieden könnte. In dem Moment fiepte das Telefon und mein ausgeschlafener PR-Berater war am anderen Ende.
Meint er doch sagen zu müssen, dass, wenn ich mich jetzt einfach so entferne, ich spätestens am Montag vergessen sei.
Ich solle doch wenigstens dreimal den Namen Böhmermann erwähnen, nach Möglichkeit noch in irgendeinem Zusammenhang mit Erdogan und Frantisek Duda, - (Zitat)"...sonst kennt Dich Montag noch nicht einmal mehr google!" (Zitat-Ende)

Also gut:
Böhmermann, Böhmermann, Böhmermann.
Erdogan
Frantisek Duda!

So.
Und nun hoffe ich, dass die Sache erledigt ist.
Bis Montag.



;-)

Mittwoch, 13. April 2016

Der junge Baum



Ihm war an seinem angestammten Platz langweilig geworden. Beinahe 60 Jahre hatte er im Wald ausgeharrt; für seine Nachbarn blieb er trotzdem immer der junge Baum.

Es traf sich gut, während er über mögliche Veränderungen nachdachte, toste ein Sturm durch den Forst. Zuerst wollte er sich nach seinen Genen verhalten; über Jahrtausende hatten die Vorfahren sich Wind und Sturm ergeben, geneigt, ihn an Krone, Ästen und Stamm vorbei ziehen lassen.

Heute jedoch war ihm nach Widerspruch. So bog er sich in den strammen Wind, bot ihm den Wipfel. Während Böe über Böe, Regenwind und Wetter durch das Geäst fegten, zog sein Leben an ihm vorbei. All die Begegnungen mit Nachbarn, die ihr Wurzelreich verteidigten, die vielen Menschen in seinem Schatten...Und während der junge Baum in seiner Geschichte versunken war, knickte eine besonders heftige Sturmböe ihn um. Er fiel.

Dies geschah im Januar. Im März des Jahres trieb er neue Zweige, aus zerschelltem Wipfel, aus freigelegten Wurzeln. Seit Juni ist er voller frischer, junger, grüner Blätter. Wer an windigen Tagen dort vorbei kommt, hört die Nachbarbäume tuscheln. Sie hatten sich immer gedacht, dass irgendetwas an dem jungen Baum anders war. Nun sehen sie sich bestätigt.


Thomas Mentzel






Frühling


Frühling


Frühling,
alter Schelm im grauen Kittel
ich weiss zwar,
dass du gern mit blauen Bändern wedelst
und hörte auch
du willst mit Veilchenduft
die Luft veredeln

doch schaue ich gerade jetzt
aus meinem Fenster
und frag´ mich
wo du dich versteckst


Da kommt mir eine leichte Ahnnung:
du sitzt beim Bier im Heizungskeller
spielst dort mit dem Winter Skat.


Thomas Mentzel

Willkommen



Beendet wurde die Nacht
von einem Abend
der vieles versprechend eine
strahlende Decke aus Licht
ins gewachste azurblau legte.


Verirrte Pudel spazierten
über gehaltenes Himmelsblau
bewahrt an dunkelseidenen Leinen.

Hinter Leuchtfeuern von
McDonalds, Aldi und Lidl
spiegelt sich Aussicht auf
große Freiheit in aquaresk
bepflanzten Schaufenstern der
Dessousbäckereien und Brotboutiquen.


Verschämt öffnet der Bahnhof
seinen Geigenkasten, trillert
hoffnungperlende Noten in die
Gesellschaft, während winkende
Polizisten Startphasen und
Landevorbereitungen der Vogelschwärme
regeln; gleichzeitig stolzieren
Luxuslimousinen durch das
blattgrün angeknabberter Bäume


Ich greife meinen Hut
um im flanierenden Müßiggang
der Nacht ein paar Träume aus
Gesichtern zu schälen.
Zufrieden lächelnd atmet die Stadt
mich ein und heißt mich mit festem
Druck in ihren Armen willkommen.


(C) Thomas Mentzel

Europa

Vorab:
Ja, ich bin gerne "Europäer"!

Und ich finde die Idee eines vereinten europäischen Landes ohne nationale Grenzen auch heute noch faszinierend und schön.


Aber:

Wenn die Basis und gleichzeitig einzige Gemeinsamkeit für diesen Staatenverbund auf wirtschaftlichen Füßen steht und "Euro" heißt, dann handelt es sich nicht um eine "Gemeinschaft", sondern um einen Haufen zusammengetackerter Blindgänger.


Dann sollte man vielleicht doch ernsthaft über einen Deuxit nachdenken.
Selbst wenn dies den rechts-linken Nationalpopulisten in die Karten spielen würde.

Thomas Mentzel

Böhmermann?



Na gut. Also:

Nein, ich werde nicht "je suis Böhmermann" als neues Profilbild einsetzen.
Nein, ich werde nicht "Free Böhmermann" weiterverbreiten.


Weil:

Jan Böhmermann sitzt nicht im Knast.
Und "je suis..." empfinde ich als respektlos gegenüber den Toten des Terrors und die Mörder verharmlosend.
So weit dies.

Das andere:

Ich glaube, Jan Böhmermann wußte ganz genau, was er tut.
Seine "Schmähkritik" in stoppelnder Reimform war als Beleidigung gedacht und ihm war sicherlich klar, dass der türkische Despot in seinem Größenwahn politisch reagieren wird. Schließlich klebte dieser Staatsterrorist bereits wenige Tage vorher wie ein HB-Männlein unter seiner Palastdecke. Und da ging es lediglich um ein vergleichsweise harmloses Lied.


Die "Schmähkritik" zeigt ihre Wirkung in der deutschen Politik, denn anstatt das "Klagebegehren" dieses selbstherrlichen Gernegroß durchzuwinken und ihm damit zu zeigen, wie Demokratie und Gewaltenteilung funktioniert, eiert man in Berlin herum.
Ich bin einigermaßen überzeugt, - genau dieses entlarvende herumgeeiere hat Böhmermann erwartet und beabsichtigt.

So. Und nun können wir ein paar Gänge zurückschalten und abwarten, ob die Mainzer Staatsanwaltschaft es für nötig erachtet, einen Tatbestand, nämlich den der Beleidigung vor Gericht zu bringen.
Und falls ja, dann bleibt abzuwarten, ob deutsche Richter sich einem türkischen Tyrannen beugen und eine zugegebenermaßen etwas pubertäre Satire als "strafwürdig" anerkennen und deswegen ein Verfahren eröffnen.


Eine andere Dimension dieser Geschichte macht mir weitaus mehr zu schaffen. Ich bin nicht sicher, ob Böhmermann bedacht hat:
Es gibt "gewählte" Diktatoren, die von ihren willigen Richtern Todesurteile anordnen lassen.


Erst im Februar wurde das "Kopfgeld" auf Salman Rushdie auf umgerechnet rund vier Millionen Dollar erhöht.
Da Herr Erdogan sich beleidigt fühlt, ist ihm ähnliches durchaus zuzutrauen.


Thomas Mentzel

it´s hard rain




Sonntag, 27. März 2016

Protestwahl?



So.
Also: Eine Protestwahl war das!
Aha.


Naja. Ich persönlich sehe keinen großen Protest darin, Leuten hinterherzurennen oder gar zu wählen, bei deren Anblick auf der Straße ich unwillkürlich nach dem besten und sichersten Fluchtweg gucke.

Oder aber Leuten im laufenden Insolvenzverfahren, wie beispielsweise der Parteisprecherin Frauke Petry, durch die Parteienfinanzierung ein gesichertes Staatseinkommen zu verschaffen.

In meinen Augen ist das eher bodenlose Dummheit.



Thomas Mentzel

Samstag, 26. März 2016

Zwischenfrage (? ?)


Wenn man morgens relativ früh und abends relativ spät mit dem Hündchen seine Runden dreht, dann muß man schon ein wenig aufpassen, dass man nicht unversehens selbst zum Rassisten wird.

Jedenfalls geht es mir so.

Beispielsweise dann, wenn der Fernsehschleim sich in gewissen Siedlungen an den Wänden entlangzieht und dort Fenster auf sind, damit der Ton die Nachbarschaft erfreuen kann.

Dann dröhnen aus sorgfältigst frisierten Vorgärten russische Nachrichten und ich frage mich unwillkürlich immer wieder:


Leute, wenn dort alles so schön, wahrhaftig richtig und ausgesprochen wichtig ist, was macht Ihr eigentlich hier?

Diese Frage wird mir vermutlich allerhöchstens einer von jenen Politikern beantworten können, die derzeit so vehement gegen die "verbrecherischen Wirtschaftsflüchtlinge" wettern.

(Also Hotte Seehofer, Lothar de Maiziere oder Beatrix zum Reiher(n) )

Thomas Mentzel